Apostelgesch. 4,33.
Es war große Gnade bei ihnen allen.
Auf der Pfingstgemeinde ruhte die Gnade Gottes. Und doch zeigte sich nur kurze Zeit danach ein Zustand der Gemeinde, in welchem es ganz ergreifend gewesen sein muss, die starken Wirkungen der Gnade auf die Mitglieder zu sehen. Mit den Worten: „Es war große Gnade bei ihnen allen“ erwähnt dies der Verfasser der Apostelgeschichte als etwas Besonderes. Es können also noch Zeiten für die Gemeinde kommen, in denen besondere Ausströmungen von Gnade stattfinden und die Gnade bei allen groß wird. Das sind herrliche Zeiten, wenn die Gnade mit ihrer himmlischen Seligkeit die Herzen erfreut und mit einander verbindet. Was können wir tun, solche Zeiten oftmals und in jeder Gemeinde zu haben? Wenn wir die Gemeinde betrachten, von welcher dieses Zeugnis hier aufgezeichnet ist, erhalten wir die Antwort auf diese Frage. Wir finden dann nach meiner Meinung folgende Stufen:
Möge die Kirche unserer Tage diese Lehre auf ihren Konferenzen und andern Zusammenkünften von Gläubigen beherzigen! Es gibt Zeiten, in welchen die Gnade in der Stille Zeit haben muss, um durchzudringen, Zeiten, in welchen in einsamem Gebet, im Streit um Bewahrung unseres Gehorsams und Vertrauens die persönliche Aneignung der Gnade stattfinden muss. Allein dann kommen auch wieder Zeiten der Erquickung, in denen bei Gelegenheit der Zusammenkunft des Volkes Gottes die Gnade in besonderer Weise ausströmen will. Rückhaltlose Hingabe an den Herrn und seinen Dienst, im Leiden, Bekennen und Arbeiten; gemeinsames Gebet um die Kraft, ihm besser zu dienen; Erfüllung mit dem Geist infolge dieses Gebets; lebendige Betätigung der Liebe und der Gemeinschaft der Heiligen in Wort und Tat, und dies, dass man dem Wort Gottes, als der Kraft Gottes in Gottes Volk und in der Welt die Ehre gibt; das sind die Vorbereitungen und Bedingungen für besondere Durchbrüche großer Gnade. Noch einmal: Gehorsam, Gebet, der Geist, die Liebe, das Wort. An den ersten Jüngern sehen wir, wie diese genannten Erfordernisse den Weg zu der seligen Erfahrung bahnen: Es war große Gnade bei ihnen allen.
Warum sollte nun die Gemeinde unserer Tage diese Erfahrung nicht in reicherem Maß machen? Das Bedürfnis ist doch immerhin vorhanden? Kurz nach diesem Wort lesen wir (Apostelgesch. 5,14): „Es wurden aber je mehr zugetan, die da glaubten, eine Menge der Männer und der Weiber.“ Wenn daher die Kirche einigermaßen zur Leistung ihrer riesigen Arbeit gestärkt werden soll, welche sie sowohl in der sogenannten Christenheit, als auch unter dem Heidentum zu verrichten hat, dann muss sie mehr Gnade besitzen, als man gegenwärtig im allgemeinen sieht. Der Reichtum der Gnade ist nicht erschöpft. Der gute Wille des Herrn Jesus, des Brunnens der Gnade in Seiner Gemeinde, ist nicht abgeschwächt. Der Gnadenratschluss ist nicht abgeändert. Das Wort, dass uns die Gnade in reichem Maß zuteil werden solle, ist immer noch die Losung des Evangeliums. Ach, dass wir es glauben möchten, dass es sich also gehört, dass es so sein muss und sein kann: große Gnade bei allen.
Was mag nun der Grund sein, dass es nicht so ist? Wenn wir die fünf Stufen des Segensweges noch einmal überblicken, können wir alles zu der einen Bedingung zusammenfassen: Ungeteilte Hingabe an den Herrn. Der Umstand, dass es gerade daran so sehr fehlt, enthält die Antwort auf unsere Frage. Die Absonderung von der Welt, welche in der Gemeinschaft der Kinder Gottes, in ihrer Beziehung zu einander als Untertanen des erhöhten Königs sichtbar wird, das Leben im Gebet und Geist, welches für den Herrn, Sein Reich und Seine Arbeit eintreten möchte; dies alles fehlt noch viel zu sehr. Darum ist es Ihm unmöglich große Gnade zu geben. Allein, meine lieben Brüder, wir wollen doch einzig und allein für den Herrn und Sein Reich leben. Die Herrlichkeit der Gnade ist es doch wert, dass wir alles aufopfern und uns Gott hingeben; auf dass Er an uns den außerordentlichen Reichtum Seiner Gnade zeige. Darum wollen wir bitten und beten, dass der Geist uns kund tue, was die rechte Absonderung von der Welt und ihrem Geist und was das ungeteilte Leben zur Ehre Gottes und nach dem Willen des Herrn sei. Wir wissen ganz bestimmt, dass auf diesem Wege große Gnade über uns alle kommen wird.
„Gott kann machen, dass allerlei Gnade unter euch reichlich sei, dass ihr in allen Dingen volle Genüge habt und reich seid zu allerlei guten Werken.“